Psychotherapie – eine Zeit der Veränderung II

Die intensive Beschäftigung mit dem Thema aus dem vorangegangenen Blog  „Veränderung“ hat mich veranlasst, darüber nachzudenken und hier niederzuschreiben, welche Faktoren meines Erachtens nach notwendig sind, damit sich Menschen verändern.

Menschen streben nach Stabilität im Leben. Das gibt Ruhe und Sicherheit. Selbst unangenehme Zustände, die zum Teil lange andauern, können als stabil empfunden werden. Ein Beispiel: man ist schon so lange unzufrieden, wie sich die Beziehung entwickelt hat, geht aber nicht. Oder: Meine Arbeit laugt mich komplett aus, ich bekomme keine Anerkennung, dafür immer mehr aufgehalst – ich bewerbe mich aber nicht woanders.

Als Außenstehender fragen wir uns dann oft: wie hält der oder die das so lange aus ?

Die Antwort ist oft erschreckend einfach: wir wissen, was wir haben – selbst wenn es übel ist. Aber wir kennen die Situation. Wenn wir uns verändern, wissen wir nicht, was uns erwartet.

Welche Faktoren müssen gegeben sein, damit ich mich verändere ?

  1. innerer und/oder äußerer Druck.
    Ein paar Beispiele:
    – mein Partner droht, mich zu verlassen, wenn ich nicht endlich meine Eifersucht in den Griff bekomme
    – meine Angst vor dem Autofahren ist mittlerweile so groß, dass ich kaum zur Arbeit komme
    – meine Schwermut führt dazu, dass ich kaum mehr aus dem Haus gehe
  2. Einsicht in meine psychischen Prozesse.
    Auch hier ein paar Beispiele:
    – „Warum kommen immer diese Gedanken, dass mein Partner mich betrügt?“
    – „Was triggert mich, dass aus der Angst fast eine Panikattacke wird?“
    – „Was passiert da eigentlich in mir, dass ich so bin ?“
  3. Unterschiedsbildung
    Mein unerwünschtes Verhalten kenne ich (z.B. die Angst, mein Partner betrügt mich und ich könnte durchdrehen, wenn sie oder er sich mit Freunden verabredet).
    Aber ich könnte mir auch vorstellen, wie es für jemanden wäre, der überhaupt nicht eifersüchtig ist. Wie der oder die das wohl empfinden würde. Ich könnte mir also auch erwünschtes Verhalten vorstellen – selbst wenn es im Moment noch anders ist.
    Die Therapie hilft dabei, dass ich mich mehr und mehr hineinversetzen kann, wie ich mich zukünftig fühlen möchte – mein Wunschdenken oder Wunschverhalten also. Und das ist der erste Schritt: eine Vorstellung davon zu bekommen, wie ich sein will.

Wir sind, was wir denken. Und wir sind, was wir fühlen.