Spinnenangst / Arachnophobie

Anläßlich eines Radiointerviews bei Radio Hannover habe ich zwei Fragen zur Spinnenangst beantwortet. Meine Antworten habe ich auch hier im Blog hinterlegt.

Warum haben Menschen Angst vor Spinnen ?

Es gibt mehrere Theorien:

  1. Die Angst ist über viele Generationen vererbt worden. Spinnen waren vielleicht früher einmal wirklich gefährlich und es gab Grund, sich davor in Acht zu nehmen. Das ist dann vielleicht genetisch weitervererbt worden
  2. Spinnen bewegen sich ohne Geräusche, können klettern und manche springen. Das macht vielen Menschen Angst – Spinnen sind also eher nicht einschätzbar.

Und aus meiner eigenen Praxis weiß ich, dass z.B. die Geschwindigkeit von Spinnen fast immer überschätzt wird. Sie bewegen sich deutlich langsamer, als viele denken.

  • Die meisten Psychologen glauben, dass Menschen das von Bezugspersonen (z.B. Eltern, Großeltern, Geschwistern) gelernt haben, als sie noch klein waren.
  • Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, liegt der Fokus der betroffenen Menschen auch noch unglaublich auf Spinnen. Man sucht förmlich danach, um diese Situationen zu vermeiden. Das ist so ein wenig, wie ich überall schwangere Frauen sehe, wenn ich selbst ein Kind erwarte. Und dann sehe ich halt auch überall Spinnen. Und nun rückt die Nosferatu-Spinne in den Fokus, weil Medien darüber berichten. Das erhöht dann noch einmal die Furcht. Man hypnotisiert sich quasi selbst in einen Zustand der Vorsicht und damit steigt dann oft auch die Angst

Wie behandelt man die Arachnophobie, die Spinnenangst ?

Ich selbst beginne damit, dass ich erst einmal mit KlientInnen über die Angst im Allgemeinen spreche – also was ist Angst überhaupt, was passiert im Körper, warum fange ich an zu zittern oder bin starr vor Angst ?

Und dass der Körper dabei genau die Dinge tut, die er tun muss, wenn ich in eine bedrohliche Situation komme. Er versetzt mich nämlich eigentlich in die Lage, dass ich kämpfen oder flüchten kann.

Beispiel: Warum ist zittern nützlich ? Zittern ist deshalb nützlich, weil damit die Muskeln aufgewärmt werden, damit ich hinterher rennen oder angreifen kann.

Nun ist es aber dem Körper völlig egal, ob die Gefahr real ist und tatsächlich eine Bedrohung für mich  ist oder ob ich nur glaube, dass eine Gefahr real ist. In beiden Fällen beginnt er mit den Kampf- oder Flucht-Vorbereitungen.

Die beste Therapie gegen spezifische Ängste (so nennt man die in der Psychotherapie), ist eine Konfrontation mit meiner Angst. Ich muss quasi ein Lernprogramm durchlaufen und dem Kopf und meinem Körper klarmachen, dass die Gefahr nicht real ist und dass ich die Angst aushalte. Dass die Gefahr nicht real ist, wissen die meisten Menschen rein intellektuell. Was die meisten nicht wissen ist, dass die Angst nach einer kurzen Weile ganz von selbst wieder runtergeht (wenn ich in der Situation bleibe) – auch wenn man das erstmal so nicht glaubt.

Am Anfang der Therapie steht das Erlernen einer eigenen Beruhigung: also „wie bekomme ich mich wieder runter von meinem hohen Angstlevel?“

Da gibt es verschiedene Techniken, die ich einübe.

Wenn ich das kann, begegnen wir der für sie vermeintlichen Gefahr ganz niedrigschwellig – zuerst vielleicht mit Fotos von Spinnen, dann mit Plastikspinnen, dann mit ganz kleinen Spinnen, dann vielleicht mit den Zitterspinnen usw.

KlientInnen erleben dann jedes Mal wieder einen erhöhten Anspannungsgrad, bringen sich selbst wieder runter und wir gehe einen Schritt weiter. Und irgendwann bin ich in der Lage, ganz nah an eine Spinne heranzugehen oder auch eine Baumrinde in die Hand zu nehmen, auf der eine Spinne sitzt oder sogar eine Spinne auf die Hand zu nehmen.

Aber – Konfrontation immer ganz transparent (heißt: in Abstimmung mit den Klienten). Keine Überraschungen, kein Machogehabe (so nach dem Motto: ich zeig dir, wie es geht oder „ich hab hier mal einige Spinnen mitgebracht) sondern wertschätzend und in ganz enger Abstimmung. Und in Begleitung mit dem Therapeuten. Erst wenn die KlientInnen bereit sind, gehen wir einen Schritt weiter.

Zum Schluss: ja, die Nosferatu-Spinne ist angeblich in der Lage, mit ihren Werkzeugen die menschliche Oberhaut zu durchdringen. Da gab es meines Wissens nach keine Art, die das konnte hier bei uns. Aber eine ernsthafte oder gefährliche Verletzung gibt es nicht, falls sie „beißt“ – höchstens ein Stich, weniger als der von einer Wespe oder Biene. Zudem: wann tut sie das: nur bei Gefahr – also wenn sie sich bedroht fühlt. Es muss schon einiges zusammenkommen, damit ich als Mensch diese Situation überhaupt erzeuge.

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